Kanton Zug

Karten zur Zuger Industriekultur

Wer sich auf der ISIS-Plattform auskennt und die Zuger Karten mit den übrigen vergleicht, stellt fest, dass sie sich in einigen Punkten unterscheiden. Beispielsweise sind Standorte aufgenommen worden, wo die genannten Firma und Gebäude nicht mehr existieren. Zudem sind überdurchschnittlich viele Archiv- und Sammlungskarten vorhanden. Der Grund dafür liegt darin, dass die Zuger Karten nicht im Rahmen eines üblichen ISIS-Projekts entstanden sind, sondern aufgrund zweier Spezialaufträge des Zuger Regierungsrates, vertreten durch die Stiftung Museum in der Burg Zug.

Im Rahmen der 5. ISIS-Projektetappe Zentralschweiz mit den Kantonen Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz und Uri wurde 2015-16 der Kanton Zug überarbeitet und mit weiteren Standorten und Objekten ergänzt. 

Der erste Auftrag

Anfangs Juni 2010 erteilte Frau Dr. Daniela Ball, Direktorin Burg Zug, der Firma ARIAS-Industriekultur in Winterthur, vertreten durch Dr. Hans-Peter Bärtschi, den Auftrag, ein Inventar der noch vorhandenen, mobilen Objekte und Archivalien der Zuger Industrie zu erstellen. Schwerpunkt der Recherchen waren folgende Fragestellungen: Bei welcher Firma findet man was? Wo sind Archivalien und Sammelgüter untergebracht, wie werden sie betreut? Gibt es Bedürfnisse bezüglich Inventarisierung oder Auslagerung? In welchen öffentlichen Archiven und Bibliotheken, in welchen Museen sind Unterlagen zu Zuger Firmen vorhanden? Welche Unterlagen? Sind die Firmen, öffentlichen Archive, Institutionen, Museen und privaten Sammler zu Kooperationen bereit?  

Recherchen

Bei den Recherchen ging es zuerst darum, eine Liste von Firmen zu erstellen, die möglicherweise ein Archiv oder Sammelgüter besitzen. Diese Liste wurde im Verlaufe der Arbeiten ständig durch Internet-Recherchen, Gespräche mit Fachpersonen, Recherchen in den öffentlichen Archiven und mittels der Unterlagen des Industriepfads Lorze erweitert. Im zweiten Arbeitsschritt wurden die Firmen schriftlich und telefonisch kontaktiert und befragt. Teilweise erfolgten Besuche, um Bedürfnisse genauer abzuklären.  

Parallel zu den Firmenkontakten fanden Kontakte zu öffentlichen Archiven, Bibliotheken und Institutionen statt. Die Frage lautete hier: Was ist in welchen Archiven zu Zuger Firmen vorhanden? Schliesslich wurden auch einzelne Museen und private Sammlungen, welche über industriekulturell relevante Mobilien und Archivalien verfügen, in die Recherchen mit einbezogen.  

Der Schlussbericht

Im Oktober 2011 wurde der 73-seitige, interne Schlussbericht zuhanden des Regierungsrates abgegeben. Mit dieser Dokumentation leistet der Kanton Zug gesamtschweizerisch eine Pionierarbeit in der Erfassung mobiler Industriekulturgüter. Es kann vorweg genommen werden, dass die Resultate der Recherchen anders ausfielen als zu Beginn erwartet:

  • Es sind vorwiegend Archivalien vorhanden und nur geringe Mengen von Objekten.
  • Die kontaktierten Firmen wollen mehrheitlich ihre Archive und Objekte behalten. Es gibt wenig Bereitschaft, Objekte in den öffentlichen Besitz zu geben. Firmen wollen in der Regel Nachlässe zusammenhalten, also Archivalien und Objekte nicht trennen.
  • Es ist primär wichtig, dass Archivalien und Objekte erhalten bleiben, wo ist sekundär.
  • Es ist wenig Bedarf an Lagerfläche für abzugebende Objekte entstanden. Inventarisierungsarbeiten für Objekte sind wenig gefragt.
  • Es ist vielmehr das Wissen öffentlicher Archive gefragt, da einige Firmen gerne Unterstützung bei der Archivierung hätten, ihre Archive aber noch nicht abgeben wollen. Als Gegenleistung für eine allfällige Erschliessungsarbeit sind Depotverträge sinnvoll.
  • Fast alle Firmen sind zu Kooperationen bereit. Sie würden Objekte leihweise in ein öffentliches Industriekulturmuseum abgeben.  

 

Der Folgeauftrag

Aus Datenschutzgründen kann der interne Schlussbericht nicht veröffentlicht werden. So erteilte der Zuger Regierungsrat im April 2012 einen Folgeauftrag: Die Resultate des Schlussberichtes sollen der Öffentlichkeit über die ISIS-Datenbank zugänglich gemacht werden. Damit kann der Kanton Zug sein mobiles, industriekulturelles Erbe zugänglich machen und Vernetzungen fördern. Gleichzeitig bietet die ISIS-Plattform dem Kanton die Möglichkeit, sich als einen bis heute wichtigen Schweizer Industriekanton im öffentlichen Bewusstsein zu positionieren.  

Dank

Ein herzlicher Dank geht an all die Mitarbeitenden von Firmen, Ämtern, Archiven, Bibliotheken und Institutionen und Privatsammler, welche die Recherchen unterstützt haben. Besonders erwähnen möchten wir: 

  • Daniela Ball, Alex Claude (Burg Zug)
  • Ignaz Civelli, Renato Morosoli (Staatsarchiv Zug)
  • Daniel Stöckli (Denkmalpflege des Kantons Zug)
  • Philippe Bart (Ortsarchiv Baar)
  • Anna Merz (Zuger Geschichtsgruppe, Halle 44 Baar)
  • Michael von Orsouw (Historiker)
  • Theo Henggeler (Theo’s Museum)   

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